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Wie lockten Frauen im 19. Jahrhundert ihre Haare? Die rauchige, prickelnde Wahrheit

17.09.2025

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Hattest du jemals einen Bad-Hair-Day und dachtest: „Ich mach mir einfach schnell einen Dutt“? Nun, diesen Luxus hattest du als Frau im 19. Jahrhundert nicht. Die viktorianische Mode ist berühmt für ihre ordentliche, symmetrische, glatte Hochsteckfrisur mit gedrehten Knoten und Wellen – ein ikonischer Look, der Weiblichkeit, Anmut und Klasse verkörperte. Aber es gab weder Strom noch Lockenstäbe oder Haarspray – mit welcher Zauberei kreierten die Frauen diese ikonischen Frisuren? Ihre Methoden waren originell, brutal und manchmal sogar gefährlich. Also lasst uns unsere Zeitmaschinen anwerfen und in die Vergangenheit reisen, um die faszinierende, wenn auch etwas düstere Geschichte der Lockenfrisuren im 19. Jahrhundert zu erkunden.

Der Grund: Soziale Werte bestimmen Schönheit. Der Schönheitswettbewerb ist leider ein Kreislauf.

Bevor wir uns dem „Wie“ widmen, beginnen wir mit dem „Warum“. Im 19. Jahrhundert waren Frisur und Kleidung einer Frau unmissverständliche Zeichen ihrer Tugend und ihres gesellschaftlichen Status. Glatt frisiertes Haar zeugte nicht nur von Sauberkeit (oder Wohlstand, da man sich die Haare stylen lassen konnte), sondern auch von der Bereitschaft, sich oft strengen gesellschaftlichen Normen anzupassen. Locken waren ebenfalls in Mode, von zarten Ringellocken der Romantik bis hin zu den voluminösen, krausen Ponyfrisuren, den sogenannten „Apollo-Knoten“, die später bekannt wurden. Madame Recamier erklärte deutlich, wie eine Dame dies zu interpretieren hatte: „Wenn eine Dame Locken trägt, sollte sie geschickt mit dem Glätteisen umgehen können.“ Dieser gesellschaftliche Druck ging so weit, dass Frauen bereit waren, für die perfekte Lockenpracht ziemlich extreme Eingriffe vorzunehmen.

Der Held der Hausfrau: Tapezieren und Stofflocken

Für die überwiegende Mehrheit der Frauen – und vielleicht besonders für jene, die nicht in Wohlstand geboren wurden – war dies der einzige verlässliche Mechanismus. Er war kostenlos, jederzeit verfügbar und erforderte außer einigen alten Stoffresten oder Papier keinerlei Material.

Es war ein abendliches Ritual. Eine Frau befeuchtete eine Strähne ihrer Haare (mit Resten von Fußbadseife oder geruchloser Salbe), wickelte sie in ein Stück Stoff oder Papier und drehte sie um einen Stab, um sie für dich so zu fixieren. Sie nahm den Lappen, schüttelte ihn und verknotete das Ende; manchmal auch beide. Hunderte dieser Stofflocken wurden mühsam gerollt und festgesteckt, um deinen ganzen Kopf zu bedecken, bevor du abends ins Bett gingst. Und dann schlief sie auf diesem unbequemen Kissen aus Stoffknoten, feucht und gespannt, um am Morgen die perfekte Locke zu bekommen. Das Ergebnis? Weiche, federnde Wellen. Es funktionierte zwar, aber nicht besonders gut.

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Die Gefahr: Die Zange/der Lockenstab

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Für zuverlässigere und ausdrucksstärkere Locken griffen Frauen zum Lockenstab. Das ist natürlich genau das Werkzeug, das sich die meisten von uns vorstellen: eine lange Metallstange mit einer klappbaren Klemme an einem Ende (und oft aus Stahl oder Eisen gefertigt).

Es gab da nur diese eine kleine Schwierigkeit: So ein Werkzeug entzündete die Haarkarte. Eine Frau (oder eine ihrer Dienerinnen) legte das Bügeleisen in eine Flamme, sei es eine Kamin-, Kerzen- oder Öllampenflamme, bis es rotglühend war. Können Sie sich das vorstellen? Das Ablesen war ein bisschen wie ein Ratespiel; man spuckte oft darauf oder schnippte es gegen die Hand. Die Benutzung erforderte eine ruhige Hand – und eine hohe Schmerztoleranz. Es war nur allzu leicht, wenn auch schnell (von hier aus), die Haare zu versengen und entweder einen unangenehmen Geruch nach verbranntem Keratin oder etwas Schlimmeres zu verursachen: tatsächliche Verbrennungen auf der Kopfhaut, im Nacken und an den Ohren. Was für ein Leid für die Schönheit! Diese Bügeleisen waren auch berüchtigt dafür, unglaublich brutal zu sein und in manchen Fällen statt glatter Locken krausen, gewellten Haaransatz zu erzeugen.

Die Revolution: Das Marcel-Eisen

Als das Jahrhundert zu Ende ging, lag eine Revolution in der Luft. Der französische Friseur Marcel Grateau (Gott hab ihn selig!) veränderte alles. Er perfektionierte eine neue Art von Lockenstab, der über einen abgerundeten, klammerlosen Schaft mit einer beheizten Rille verfügt.

Er erhitzte dieses clevere Gerät über einer Spirituslampe und zauberte sich so eine schöne, glatte Welle – die sogenannte Marcel-Welle –, die sich wie warme Semmeln verkaufte. Sie war nicht nur für Locken gedacht, sondern auch für elegante, S-förmige Wellen, die gepflegt und modern wirkten. Das Marcel-Eisen war die bahnbrechende Erfindung in der Haarstyling-Technologie; alle anderen modernen Stylinggeräte, die wir heute kennen und lieben, haben ihren Ursprung in ihm. Es war zwar noch etwas wackelig, aber ein riesiger Fortschritt in Sachen Kontrolle und Styling.

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Die weniger glamouröse Realität: Ruß, Gestank und versengtes Haar

Wir neigen allzu sehr dazu, die Vergangenheit zu romantisieren, aber der Alltag war alles andere als einfach. Man stelle sich nur die Rückstände vor! Die im Feuer erhitzten Bügeleisen waren mit Ruß bedeckt, der sich dann in den Haaren absetzte – was natürlich häufiges Haarewaschen noch notwendiger (oder auch nicht) machte und somit eine weitere mühsame Angelegenheit darstellte.

Und dann war da noch der Geruch. Selbst wenn man mit dem Glätteisen die perfekte Locke gezaubert hatte, blieb dieser warme Haargeruch. Fehler hingegen hinterließen einen widerlichen, unversöhnlichen Gestank nach verbranntem Haar, der ewig anhielt. Und was war mit dem immensen Zeitaufwand? Wohlhabende Frauen hatten natürlich Dienstmädchen, aber die Durchschnittsfrau verbrachte jede Woche Stunden damit, ihre Haare zu stylen – Frisuren, die wir heute mit unseren modernen Geräten in wenigen Minuten nachmachen könnten. Es war eine Geschichte von Geduld und Ausdauer.

Fazit: Ein Zeugnis des Einfallsreichtums

Der Weg zu Locken im 19. Jahrhundert war geprägt von Einfallsreichtum, Glück und Beharrlichkeit. Von der zerfledderten Stofflocke bis zum revolutionären Lockenstab griffen Frauen zu allem, was sie finden konnten, um den immer höheren Schönheitsidealen gerecht zu werden. Ihre Methoden offenbaren eine Geschichte, die weit über bloßes Aussehen hinausgeht: Es geht um gesellschaftlichen Druck, technologischen Fortschritt und die nie vergessene Sehnsucht in uns allen, durch unsere Kleidung etwas über uns selbst auszudrücken. Wenn Sie also das nächste Mal mühelos mit einem kurzen Schwung Ihres Lockenstabs eine perfekte, fallende Locke zaubern, denken Sie daran, die Innovationen und die Mühen vergangener Jahrhunderte zu würdigen, die diese Entwicklung ermöglichten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Gab es im 19. Jahrhundert schon Lockenstäbe?

Ja, aber sie waren ganz anders als die heutigen. Es handelte sich im Wesentlichen um zwei oder drei kleine Heißklebepistolen, die an einem Ende miteinander verbunden waren, und der große Nachteil war natürlich, dass sie unglaublich gefährlich und unhandlich waren, da es sich um rohe Metallstäbe (Eisen oder Stahl) handelte, die in einem offenen Feuer wie einem Kamin erhitzt werden konnten.

2. Was benutzten sie vor der Erfindung des Lockenstabs?

Bevor Lockenzangen aus Metall erfunden wurden, war die beliebteste Methode, Locken zu bekommen, das sogenannte „Papierlocken“ oder „Stofflocken“. Frauen wickelten ihr feuchtes Haar um Stoffstreifen oder sogar Papier und schliefen darauf, um die Wellen zu fixieren, fügte Leigh hinzu.

3. Wie haben die Viktorianerinnen ihre Haare ohne Hitze gelockt?

Die beliebteste Methode ohne Hitze waren Locken mit einem Stofftuch. Man verwendete außerdem andere Stylingmethoden, bei denen Pomaden oder, wie sie im Französischen und Englischen genannt wurden, Pomaten (klebrige Wachse oder Fette) zum Fixieren der Frisur und der Wellen zum Einsatz kamen.

4. Was war die Marcel-Welle?

Der Stil, der am ehesten mit ihm in Verbindung gebracht wird und den er nach dem Ersten Weltkrieg populär machte, war eine tiefe, ins Haar eingearbeitete Welle, die durch die von ihm entwickelten neuen Glätteisen ermöglicht wurde. Sie war vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert ein regelrechter Modetrend und galt als sehr modern und schick.

5. Haben diese Lockenstäbe nicht ihre Haare versengt?

Ständig! Die Gefahr, sich die Haare zu versengen, war ein bekanntes und akzeptiertes Risiko. Der Geruch von verbranntem Haar war stets mit Peinlichkeit verbunden.

6. Bin ich die Einzige, die sich fragt, wie ihre Locken so lange gehalten haben?

Sie verwendeten Pomaden aus Bärenfett, Schweineschmalz oder Bienenwachs und später selbstgemachte Zuckerlösungen oder Gummiarabikum-Lösungen, den Vorläufer des Haarsprays. Diese können umständlich sein und ziehen zudem Schmutz an.

7. Wie lange hielten die Locken?

Es kam auf die Methode an. Bei sehr straffem Haar und sauberem Haar hielten Locken aus Stofflappen ein oder zwei Tage. Locken, die sich mit einem Lockenstab leicht formen ließen, hielten zwar den Arbeitstag über, fielen dann aber oft aus oder wurden ohne die heutigen Stylingprodukte kraus.

8. Trafen arme Frauen Locken?

Sicher, das hätten sie gekonnt; doch sie griffen eher zur Methode mit einem Stofflappen, da diese weder komplizierte Geräte noch großen Reichtum erforderte. Die meisten Frauen der Mittel- und Oberschicht, die Zeit, Geld oder Unterstützung für diesen aufwendigen Prozess hatten, entschieden sich für hitzegestylte Locken.

9. Wann wurde das elektrische Lockeneisen erfunden?

Obwohl Grateau als Erster einen modernisierten Lockenstab entwarf und gestaltete, wurde ein elektrisch beheizter Lockenstab erst 1959 auf den Markt gebracht. Lockenstab (Im Wesentlichen eine Art Gelenkzange) wurde in Frankreich von René Lélièvre und Roger Lemoine erfunden. Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der mit Flammen erzeugten Wärme.

10. Gab es noch andere Methoden?

In historischen Aufzeichnungen finden sich vereinzelt Hinweise auf Beeren oder säurehaltige Fruchtsäfte, die zur Fixierung des Haarschnitts verwendet wurden, doch die gängigsten Methoden umfassten Lappen und erhitzte Bügeleisen. Die Grundprinzipien waren Feuchtigkeit, Spannung und Hitze.